Kulturwerkstatt       

      

 

      Was Rattenfänger prophezeien

 

           Eine unkonventionelle Band begeistert in Sonthofen ihr Publikum mit düsteren Prognosen

 

                                             Von Miriam Oeing

 

                                                                  Sonthofen

Ein Konzert mit ungewöhnlichen Klängen gab die Gruppe „Rattenfänger“ in der Sonthofer Kulturwerkstatt. Ein bunter Mix aus hartem Rock, Dudelsack-Melo­dien und zarten Flöten-Einlagen, ge­mischt mit teilweise äußerst düsteren Texten wurde dem Publikum serviert – mit Erfolg.

     „Den dunklen, feuchten Keller nennt er sein Zuhaus...“ berichtet eines der Stücke. Der Assoziation mit Ratten kann man sich hier nicht entziehen. Dennoch, wie der Name schon sagt, erinnern die neun Musiker selbst nicht an das graue Getier, sondern eher an den legendären geheimnisvollen Flötenspieler von Hameln. Flöten kommen bei fast jedem Lied der Gruppe zum Einsatz und stehen damit meist in starkem Kontrast zu den lauten, harten Gitarrenklängen, die gleichzeitig serviert werden.

     Mittelalterliche Stimmung wird bei „König Vielfraß“ herauf beschworen. Das traurige Stück handelt von einem fresssüchtigen Monarchen, der sich, während sein Volk hungert, den Bauch vollschlägt. Aus dem Hunger wächst Hass und Revolte wird geplant. Mit Dudeklsäcken gelingt es den „Rattenfängern“ dabei das mittelalterliche Ambiente dieses Liedes konstant aufrecht

 

zu erhalten. Eine überzeugende Vorstellung gibt auch Sängerin Sabine Mix, die in einfachen Moll-Tönen erzählt, was sich im Königreich zuträgt.

     Einer zeitlos aktuellen Thematik, den Missverständnissen zwischen Mann und Frau, wendet sich „Sehnsuchtsblatt“ zu. Jörg Liebermann und Sabine Mix führen hier ein Zwiegespräch, dessen Ergebnis die Bedingung einer Beziehung ist. Doch die Verzweiflung, die beide befallen wird, ist absehbar. Um diese Stimmung in Töne zu fassen, greifen die „Rattenfänger“ zu den Dudelsäcken und lassen ein schrilles, nahezu atonales Zwischenspiel erklingen. Trotz aller Dramatik, die in „Sehnsuchtsblatt“ steckt, scheinen die Musiker nicht auf den Einsatz krachender E-Gitarren verzichten zu können, denn auch hier übernehmen diese eine tragende Rolle.

     Düster, bedrohlich und fast schon etwas zu hart geht es bei „Wenn der Himmel brennt“ zu. Auf´s Schwärzeste wird hier von Liebermann gedroht und prophezeit: „Nun ist der Tag gekommen, an dem ich euch alle hol´, ich lad´ euch ein zu einer Reise in den Tod...“. In diesem Stück verlieren die „Rattenfänger“ den letzten Funken Leichtigkeit und schwelgen ganz und gar in düstern Gefilden.

Die „Rattenfänger“ sind eine der wohl unkonventionellsten und gewöhnungsbedürftigsten Gruppen, die je in der Kulturwerkstatt aufgetreten sind. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – haben sie es geschafft, das Publikum zu fesseln und auch zu begeistern.