Willofs         

 

 

Progressives verschmilzt

mit Traditionellem

 

Gruppe „Rattenfänger“ im Gasthaus Obermindeltal in Willofs

 

                                               Willofs (gög) Feuer lodert aus zwei Schalen empor, Nebel taucht die Bühne in ein gespenstisches Licht, Sackpfeifen und Schalmeien erklingen, werden durchbrochen von harten Gitarren-Riffs. Ihren charakteristischen„ Dudelsack-Rock“ präsentierte die neunköpfige Gruppe „Rattenfänger“ im Gasthof Obermindeltal in Willofs.

 

     Den Anfang machten die Musiker von „Last Salvation“. Kompromisslos und knallhart schlugen die Kaltenberger den Zuhörern ihren „Happy Metal“ um die Ohren. Dass es den Vieren Spaß machte, merkte man gleich: die Lockerheit beim Spiel und stets ein Scherz auf der Lippe.

     „Do verschreckt sich ja it mol mei Oma“, wertet wenig später Rattenfänger Olaf Liebermann die Reaktion des Publikums. „Könnt ihr noch mal gröhlen?“, fragte er und zeigte sich diesmal zufrieden mit dem Resultat. Düster ging es zu bei Rattenfänger, eine Gruppe der Gegensätze. Und Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Mittelalterliche Schalmeien, Flöten und Schäferpfeifen treffen auf rock-typische Instrumente wie Schlagzeug und E-Gitarre. Progressive Elemente verschmelzen mit traditionellen Melodien. Der tiefen, kehligen Stimme von Liebermann steht der klare, helle Gesang von Sabine Mix gegenüber.

 

     Ideal zu dem schleppenden, harten Gitarren-Sound passen die schauerlichen Texte von Rittern, Bauern und Burgen. Durchaus auf die heutige Zeit übertragen kann man das Lied vom „König Vielfraß“. Es ist die Geschichte von dem gefräßigen König, der wütenden Pest und dem hungernden Landvolk, das den König tötet, der von nun an „für die Würmer ein köstlich Festtagsschmaus“ ist.

     Die Stücke sind allesamt von Rattenfänger selbst komponiert und größtenteils in altertümlichem Deutsch verfasst. Sie laden zum Nachdenken, Träumen und auch zum Mitrocken ein. „Unsere großen Vorbilder sind, Subway to Sally“, verrät Sängerin Sabine. Stilverwandte Gruppen wie „In Extremo“ oder „Corvus Corax“ erleben mit dem derzeitigen Mittelalter-Boom eine Blütezeit und sind in ihrem Nischendasein gefragter denn je.

     Mut gehört jedenfalls schon dazu, eine so ungewöhnliche, exotische, originelle Musik überzeugend zu vertreten und konsequent auf der Bühne umzusetzen. Und das hat die neunköpfige Besetzung von Rattenfänger an diesem Abend in Willofs zweifelsohne geschafft. Zwar hat sie keine Ratten gefangen, eingefangen wurde jedoch die Gunst des Publikums.

 

Das nächste Rattenfänger-Konzert ist am 21. Juni in der „Wanne“ in Bad Wörishofen.